Ein unscheinbares Brötchen auf Mallorca macht Karriere

Die Liebe der Mallorquiner zu lokalen Produkten treibt bisweilen bunte Blüten, so auch die Begeisterung für ein kleines Weißmehlbrötchen namens Llonguet. Es ist hell, es ist weich, es ist – vor allem für den Gaumen vieler deutscher Brotkonsumenten – relativ geschmacksneutral und trotzdem ist es heiß umkämpft und umworben.

Seit einigen Wochen nun wird in der Inselhauptstadt dem Backwerk mit der „Ruta Llonguetera“ gehuldigt. 43 Bäckereien und Bars bieten jeden Mittwoch belegte Llonguets und Getränke an. Brötchen und Drink sind für 2,50 Euro zu haben. Aber warum so einen Hype um ein simples Backwerk?

„Das Llonguet ist ein ganz einfaches Brötchen aus Mehl, Salz und Wasser“, erklärt Onofre Flexas, Geschäftsführer der Bar Bosch, eines der bekanntesten Lokale in Palma. Bei „Bosch“ geht das Backwerk besonders häufig über den Tresen, bis zu 600 Stück pro Tag. Seit Jahren ist die Bar an der Plaça Joan Carles für ihre Llonguets, die dort „Llagosta“ heißen, bekannt.

Viel wichtiger jedoch als sie Inhaltsstoffe, so Flexas, sei beim Llonguet die Tatsache, dass es auf Mallorca eine lange Tradition hat. „Wir servieren es seit 1936, belegt mit Fleisch, Wurst oder Käse.“ Aber die Liebe der Mallorquiner zum Brötchen mit der Rille schien mitunter gebrochen. Das Llonguet ist nämlich im Vergleich zu einer normalen „Barra“, also einer Stange Weißbrot, relativ teuer. 50 Cent kostet ein kleines, 80 Cent das große. Reich belegt gerne mal bis zu fünf Euro. Viele Kunden greifen stattdessen lieber zu der Weißbrotstange, die Verkaufszahlen des Llonguets gingen zurück.

Zu seiner Rettung gründeten sich zwischenzeitlich Vereine. „Orgull Llonguet“ kämpft seit 2014 für mehr Präsenz des Backwerks vor allem auf Volksfesten wie Sant Sebastiá und unterstützt aktiv auch die „Ruta Llonguetera“, sei das Brötchen doch mallorquinisches Kulturgut.

Damit das so bleibt, feiert Palma nun also die „Llonguet-Route“. Vor vier Wochen stieg sie zum ersten Mal, so soll es nun jede Woche bis Oktober weitergehen. In Anlehnung an Palmas Tapas-Route „Ruta Martiana“, die jeden Dienstagabend stattfindet und bei der Tapas und Pinchos im Mittelpunkt stehen, geht es Mittwochs bei der Llonguet-Route vor allem um die belegte Variante des kleinen Weißbrötchens, und das von morgens bis abends. Aber Thais Mesquida und Silvia Pons von der Backstube Ca na Cati wissen: „Besucher sollten zeitig kommen. In den meisten Lokalen sind die Llonguets vorbereitet und gehen irgendwann aus, am besten man kommt vor 14 Uhr.“ Die meisten Mallorquiner nutzen die Ruta für die „Merienda“, also das zweite Frühstück, den Snack gegen elf Uhr.

Und welches Llonguet ist am mallorquinischsten? „Natürlich das mit Sobrassada“, sagt Eva María Rabasco aus der Bäckerei Ca na Teresa. Vereinen sich doch darin zwei geradezu identitätsstiftende Insel-Spezialitäten, das Brötchen und die Paprikawurst.

„Orgull Llonguet“ spricht nach zwei Ausgaben der „Ruta“ bereits von einem vollen Erfolg. Die teilnehmenden Bäcker seien hochzufrieden. Ein Dorn im Auge ist sie jedoch den gastronomischen Betrieben. Der Restaurantverband sieht darin eine unlautere Konkurrenz. Der Verbandsvorsitzende Alfonso Robledo sagte: „Viele Bäckereien bieten jetzt den gleichen Service an wie Restaurants, das darf nicht sein.“ Der neu entdeckten Liebe der Mallorquiner zu ihrem Llonguet dürfte der Zwist wahrscheinlich keinen Abbruch tun.

Autor: Patrick Czelinski (aus MM 31/2015)

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08 2015

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