Archivo de August, 2015

Mallorca ist das bessere Ibiza

Weit über 1000 Euro kann ein Menü pro Person bei Paco Roncero kosten, wenn der Madrider Zwei-Sterne-Koch auf Ibiza gastiert. Im Nikki Beach in Saint Tropez gibt es Magnum-Champagner zu 50.000 Euro die Flasche. Teuer ist also ein dehnbarer Begriff, und 337,50 Euro für zwei Portionen Fisch an einem der schönsten Strände der Welt nehmen sich vor diesem Hintergrund geradezu bescheiden aus.

Ob man für die Kulisse und delikate Meeresfrüchte so viel bezahlen will, hat in einer freien Wirtschaft zum Glück jeder für sich selbst zu entscheiden. Es muss aber auch erlaubt sein, Preise und Qualitäten zu vergleichen. In diesem Sinn kann man dem Blogger Ignacio Villalgordo nur dankbar sein, wenn er seine Wahrnehmungen auf Formentera der Öffentlichkeit mitteilt. Vielleicht merkt dann der eine oder andere, dass man sich als Normalverdiener im Hochsommer einen Besuch in bestimmten ach so glamourösen Gegenden besser spart.

Auf Mallorca hätte man für die Fischrechnung jedenfalls in diversen Sternerestaurants ein Fünf-Gänge-Menü für zwei bekommen. Drüben auf Ibiza gibt es keinen einzigen Inselkoch auf diesem Niveau.

(Aus MM 34/2015)

Autor: Michael Maier

 

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08 2015

Ein unscheinbares Brötchen auf Mallorca macht Karriere

Die Liebe der Mallorquiner zu lokalen Produkten treibt bisweilen bunte Blüten, so auch die Begeisterung für ein kleines Weißmehlbrötchen namens Llonguet. Es ist hell, es ist weich, es ist – vor allem für den Gaumen vieler deutscher Brotkonsumenten – relativ geschmacksneutral und trotzdem ist es heiß umkämpft und umworben.

Seit einigen Wochen nun wird in der Inselhauptstadt dem Backwerk mit der „Ruta Llonguetera“ gehuldigt. 43 Bäckereien und Bars bieten jeden Mittwoch belegte Llonguets und Getränke an. Brötchen und Drink sind für 2,50 Euro zu haben. Aber warum so einen Hype um ein simples Backwerk?

„Das Llonguet ist ein ganz einfaches Brötchen aus Mehl, Salz und Wasser“, erklärt Onofre Flexas, Geschäftsführer der Bar Bosch, eines der bekanntesten Lokale in Palma. Bei „Bosch“ geht das Backwerk besonders häufig über den Tresen, bis zu 600 Stück pro Tag. Seit Jahren ist die Bar an der Plaça Joan Carles für ihre Llonguets, die dort „Llagosta“ heißen, bekannt.

Viel wichtiger jedoch als sie Inhaltsstoffe, so Flexas, sei beim Llonguet die Tatsache, dass es auf Mallorca eine lange Tradition hat. „Wir servieren es seit 1936, belegt mit Fleisch, Wurst oder Käse.“ Aber die Liebe der Mallorquiner zum Brötchen mit der Rille schien mitunter gebrochen. Das Llonguet ist nämlich im Vergleich zu einer normalen „Barra“, also einer Stange Weißbrot, relativ teuer. 50 Cent kostet ein kleines, 80 Cent das große. Reich belegt gerne mal bis zu fünf Euro. Viele Kunden greifen stattdessen lieber zu der Weißbrotstange, die Verkaufszahlen des Llonguets gingen zurück.

Zu seiner Rettung gründeten sich zwischenzeitlich Vereine. „Orgull Llonguet“ kämpft seit 2014 für mehr Präsenz des Backwerks vor allem auf Volksfesten wie Sant Sebastiá und unterstützt aktiv auch die „Ruta Llonguetera“, sei das Brötchen doch mallorquinisches Kulturgut.

Damit das so bleibt, feiert Palma nun also die „Llonguet-Route“. Vor vier Wochen stieg sie zum ersten Mal, so soll es nun jede Woche bis Oktober weitergehen. In Anlehnung an Palmas Tapas-Route „Ruta Martiana“, die jeden Dienstagabend stattfindet und bei der Tapas und Pinchos im Mittelpunkt stehen, geht es Mittwochs bei der Llonguet-Route vor allem um die belegte Variante des kleinen Weißbrötchens, und das von morgens bis abends. Aber Thais Mesquida und Silvia Pons von der Backstube Ca na Cati wissen: „Besucher sollten zeitig kommen. In den meisten Lokalen sind die Llonguets vorbereitet und gehen irgendwann aus, am besten man kommt vor 14 Uhr.“ Die meisten Mallorquiner nutzen die Ruta für die „Merienda“, also das zweite Frühstück, den Snack gegen elf Uhr.

Und welches Llonguet ist am mallorquinischsten? „Natürlich das mit Sobrassada“, sagt Eva María Rabasco aus der Bäckerei Ca na Teresa. Vereinen sich doch darin zwei geradezu identitätsstiftende Insel-Spezialitäten, das Brötchen und die Paprikawurst.

„Orgull Llonguet“ spricht nach zwei Ausgaben der „Ruta“ bereits von einem vollen Erfolg. Die teilnehmenden Bäcker seien hochzufrieden. Ein Dorn im Auge ist sie jedoch den gastronomischen Betrieben. Der Restaurantverband sieht darin eine unlautere Konkurrenz. Der Verbandsvorsitzende Alfonso Robledo sagte: „Viele Bäckereien bieten jetzt den gleichen Service an wie Restaurants, das darf nicht sein.“ Der neu entdeckten Liebe der Mallorquiner zu ihrem Llonguet dürfte der Zwist wahrscheinlich keinen Abbruch tun.

Autor: Patrick Czelinski (aus MM 31/2015)

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08 2015

„Food Trucks“ im Pueblo Español

Streetfood ist spanienweit immer mehr im Kommen, nicht erst seit der neuen TV-Sendung „Cocineros al Volante“, die auf TVE1 seit Kurzem sogar den klassischen Fernsehköchen erfolgreich Konkurrenz macht.

Auf Mallorca hat sich der Imbisswagen-Konvoi in den letzten Monaten unter anderem in Port Adriano, beim Museum Es Baluard in der Inselhauptstadt sowie bei diversen Dorffesten präsentiert. Den Beitrag vollständig lesen →

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08 2015

Halali im Luxushotel

Bereits zum fünften Mal trafen sich Mallorcas Gourmets diesen Sommer zur Kulinarischen Safari im St. Regis Mardavall Mallorca Resort. Eine Veranstaltung, die auf der Insel ihresgleichen sucht, zumal man an den Ständen der teilnehmenden Sterneköche selbst auf die Pirsch nach den leckersten Delikatessen gehen kann.

Organisatorisch ist das nicht nur erfrischend informell und kompakt. Es hat auch den Vorteil, sich auf die eigenen Vorlieben einschießen zu dürfen. Schließlich soll es ja Leute geben, die eher auf Fisch stehen als auf Fleisch – oder auch umgekehrt. Letztere schienen beim diesjährigen Durchgang leicht in der Überzahl, was auch mit den Künsten von Fernando Pérez-Arellano vom Restaurant Zaranda im Castell Son Claret zu tun hatte. Sein Spanferkel mit mildem Sauerkraut war derart knusprig und zart geraten, dass die Gäste bis spät in den Abend den futuristischen Grill belagerten, und sich um die rechteckig zugeschnittenen, auf den ersten Blick recht unscheinbaren Stücke geradezu rissen.

Ebenfalls auftrumpfen konnte Rafael Sánchez mit seinen mediterranen Texturen. Schließlich war es für das Mardavall-Team ein Heimspiel, zu dem die Küche auch mit Ochsenschwanz an spanischer Tortilla und Trüffeljus sowie einem umfangreichen Häppchen-Büfett zum Auftakt beitrug. Besonders überzeugend: die Sobrassada-Pralinen vom mallorquinischen schwarzen Schwein mit einem Hauch essbarem Gold als Dekoration auf der tiefdunklen Oberfläche. Auch für das umfangreiche Dessert-Büfett und Zitronensorbet aus dem effektvollen Stickstoffbad zeichneten Rafa Sánchez & Co. verantwortlich.

Abgerundet wurde das Programm von den auswärtigen Gastköchen André Tienelt (Kabeljaufilet mit Reis und Paprika), Marcello Fabbri (Zitronenravioli mit Jakobsmuschel), Pasquale Palamoro, der aus Einkaufsgründen vom ursprünglich geplanten Kaninchen auf Thun umgeschwenkt war, Ronny Siewert (Steinbutt mit Mango-Curry) sowie Iker González vom Hotel Maria Cristina in San Sebastián mit seinem „Ceviche-Duo“ aus zitronengegarten Garnelen und Seeteufelstücken. „Das Rezept stammt aus Peru. Als das Hotel im Winter zwei Monate geschlossen war, habe ich mich dort inspirieren lassen“, erläuterte González im MM-Gespräch die originelle Kreation.

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08 2015